13. Januar 2011 11:29 Uhr

Tunesien-Experte: Umsturzbewegung nicht auszuschließen

"Die Tunesier wollen endlich ihre Meinung sagen dürfen, ob auf der Straße oder bei Facebook." So fasst der Leiter des tunesischen Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung, Ralf Melzer, die Stimmung in dem nordafrikanischen Land zusammen. Im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur berichtet Melzer, in fast allen Landesteilen komme es immer wieder zu spontanen Kundgebungen von jungen Leuten gegen die hohe Arbeitslosigkeit und für mehr politische Freiheit. Inzwischen hätten sich selbst Vertreter der oberen Mittelschicht, wie Anwälte und Ärzte, den Protesten angeschlossen. Es gebe "insgesamt viel Verständnis für die Probleme der Jugend", die Unzufriedenheit habe sich angestaut und das Land sei "in Aufruhr". Tunesien sei zwar das fortschrittlichste Land Nordafrikas mit niedriger Korruption, hohem Wirtschaftswachstum und einer sehr hohen Einschulungsquote. Die Probleme des Landes seien aber groß, so Melzer. Dazu zähle auch, dass die Schere zwischen Arm und Reich größer werde. Wenn die Polizeigewalt andauere und die Regierung nicht auf die Proteste einginge, sei eine Umsturzbewegung nicht auszuschließen.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)