4. Februar 2011 10:52 Uhr

Präsident der jüdischen Gemeinde Litauens kritisiert Umgang mit der Vergangenheit

"Wir wollen nicht, dass ein und dieselbe Kommission sowohl die Nazi- als auch die sowjetischen Verbrechen behandelt, weil das unangemessen gegenüber den Opfern beider Regime wäre." Das sagt der Präsident der jüdischen Gemeinde Litauens, Simon Alperavitchius, in der "taz". Er spricht über den Umgang mit der Vergangenheit in diesem Jahr, in dem Litauen an zwei Ereignisse erinnert: den 70. Jahrestag der Besetzung durch Nazi-Deutschland und 20 Jahre Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Alperavitchius kritisiert, dass die Regierung die Verbrechen beider Regime gemeinsam untersuchen lassen will. Man dürfe nicht sagen, das sei alles das gleiche. Gleichzeitig werde der Freiheitskampf der Litauer gegen die Sowjets zu unkritisch betrachtet. Viele litauische Partisanen seien vor 1944 an Mordaktionen gegen Juden beteiligt gewesen. Es seien zahlreiche Namen von Nazi-Kollaborateuren bekannt, die in Litauen als Helden verehrt würden.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)