7. Februar 2011 07:08 Uhr

Rhetoriker: Kampf um Macht ist auch Kampf um Sprache

Ist Husni Mubarak ein Präsident, ein Diktator oder doch eher ein Despot? Das sei keine Frage der Definition, sondern eine Frage der politischen Position, meint Oliver Lubrich, Professor für Rhetorik an der Freien Universität Berlin. In politischen Konflikten wandele sich der Sprachgebrauch besonders schnell. Als Mubarak noch als "Präsident" bezeichnet wurde, sei er ein Verbündeter des Westens gewesen. Jetzt sei er in Ungnade gefallen und in der Medienberichterstattung eher zum "Diktator" geworden. Außerdem ist unser politisches Denken Lubrich zufolge stark von Bildern und Metaphern geprägt. In Krisenzeiten kommen Naturbilder besonders häufig vor: die "Flut", das "Gewitter" oder der "Funke", der etwa von Tunesien in die anderen Ländern der arabischen Welt überspringt. Oft, so Lubrich, verberge sich dahinter die Vorstellung, dass niemand Schuld habe, sondern es sich um höhere Gewalt handele. So zum Beispiel, wenn die Finanzkrise "wie ein Sturm" durch das Land fegt.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)