21. März 2011 16:07 Uhr

"Sächsische Zeitung" über die wissenschaftliche Aufarbeitung der BND-Geschichte

Jetzt fällt zum ersten Mal Licht in die letzte große Blackbox der BRD-Geschichte. So bewertet der Historiker Klaus Dietmar Henke im Interview mit der "Sächsischen Zeitung" sein neues Forschungsprojekt. Darin will er zusammen mit weiteren Kollegen die Geschichte des Bundesnachrichtendienstes (BND) erkunden - vor allem die Frage, inwieweit alte Seilschaften aus der Nazi-Zeit fortbestanden. Henke sagte, erstmals dürften Außenstehende in vollem Umfang in die Akten von BND und Bundeskanzleramt blicken. Vorläufer des BND war bis 1956 die "Organisation Gehlen". Deren Leiter Reinhard Gehlen stand bis 1945 an der Spitze der Ostaufklärung der Wehrmacht. Beim Aufbau des BND legte Gehlen laut Henke eine "bemerkenswerte moralische Indifferenz" an den Tag: Ihm war jeder Mitarbeiter willkommen, egal was er vor 1945 getan hatte - Hauptsache, er hatte sich als aufrechter Antikommunist bewiesen. Auch die Vorgeschichte des BND als Inlands-Geheimdienst und die Auswirkung auf die deutsch-deutsche Geschichte ist Thema der Forscher. Bisher konnten sie dafür nur die Stasi-Akten, also die Sicht des Ostens auswerten. Laut Henke ist es nach 20 Jahren vergeblicher Forderungen, das BND-Archiv zu öffnen, auch Zeit, diese Schlagseite der Forschung zu korrigieren.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)