28. März 2011 06:53 Uhr
Ungarns rechts-konservative Regierung will dem Land eine neue Verfassung geben. Für den ungarischen Philosophen und Journalisten János Kis bedeutet das keine Korrektur, sondern einen radikalen Bruch. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte Kis, der nun veröffentlichte Entwurf breche mit dem republikanischen Geist der Verfassung von 1989. Das Volk sei darin nicht mehr eine politische Nation von Staatsbürgern, sondern eine Nation im ethnischen Sinne. Sie umfasse alle Ungarn, auch die, die im Ausland lebten.
Den zweiten Bruch sieht Kis in dem Abschnitt über die Grundrechte. Er spreche von der Verantwortung und den Pflichten des Einzelnen gegenüber der Gesellschaft. Der Bürger erhalte Grundrechte dann nicht aufgrund seines Status' sondern durch sein Verhalten. Nach Ansicht von Kis spiegelt der Verfassungsentwurf eine christlich-konservative Ideologie wider und verleiht der Regierung eine Übermacht. János Kis lehrt an der New York University und war in der Zeit des Kommunismus ein bekannter Dissident.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)