29. April 2011 09:24 Uhr
Johannes Paul II. sei der zwiespältigste Papst des 20. Jahrhunderts und tauge damit nicht dazu, den Gläubigen als Vorbild präsentiert zu werden. Das meint der Tübinger Theologe Hans Küng. Er sagte der "Frankfurter Rundschau", Johannes Paul II. habe ein autoritäres Lehramt ausgeübt und die Menschenrechte von Frauen und Theologen unterdrückt. Außerdem sei er intolerant und unwillig zum Dialog gewesen.
Der jetzige Papst Benedikt XVI. will seinen Vorgänger am Sonntag selig sprechen. Küng meint, im Seligsprechungsprozess seien die dunklen Seiten unberücksichtigt geblieben. Kritische Zeitzeugen wie ihn selbst habe der Vatikan nicht anhören wollen.
Hintergrund: Küng war früher Professor für katholische Theologie. 1979 entzog ihm die Kirche wegen seiner kritischen Haltung die Lehrerlaubnis. Küng kritisiert auch das Tempo der Seligsprechung: Benedikt XVI. habe Fristen umgangen und eine dubiose Wunderheilung anerkannt, um seinen Vorgänger in Rekordzeit seligsprechen zu können.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)