29. Juli 2011 11:23 Uhr
"Die Kreuzzüge müssen besser aufgearbeitet werden." Das fordert der Historiker Gerd Althoff von der Universität Münster. Er weist in der "Frankfurter Rundschau" darauf hin, dass sich der Attentäter von Norwegen auch in der Tradition der Kreuzritter gesehen habe. Die waren im Mittelalter mehrmals nach Jerusalem aufgebrochen, um im Auftrag der Päpste das Heilige Land von muslimischer Herrschaft zu befreien.
In seinem Text kritisiert Althoff die katholische Kirche und die Geschichtswissenschaft. Sie hätten das gewaltsame Erbe der Kreuzzüge nicht genügend aufgearbeitet und damit geholfen, sie zu verklären. Der Kampf von Wenigen gegen Viele, das abenteuerliche Vordringen in das Unbekannte - das seien noch heute geläufige Assoziationen.
Der Historiker schlussfolgert: Diese Untätigkeit könne für eine fundamentalistische Subkultur mitverantwortlich sein, die sich zum vermeintlichen Kampf der Kulturen aufrüste. Dem müssten Kirche und Wissenschaft entgegenwirken.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)