8. September 2011 11:21 Uhr

Wissenschaftler: Eingreifen des UNO-Sicherheitsrats in Krisen folgt festen Mustern

Warum greift der UNO-Sicherheitsrat mit Sanktionen in Libyen ein, aber nicht in Syrien?

Für den Politikwissenschaftler Martin Binder vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung liegt das nicht am Öl. Er sagte hier bei DRadio Wissen, wirtschaftliche Motive spielten bei der Entscheidung für eine Intervention der UNO nur in Einzelfällen eine Rolle.

Binder analysierte mehr als 40 humanitäre Krisen zwischen 1991 und 2005 und die Reaktion darauf. Er erklärte, dass beim Großteil der Fälle mit UNO-Intervention mehrere Faktoren zusammenspielten: Zum einen erhöhe die Zahl der Opfer einer Krise den moralischen Handlungsdruck für die UNO. Zum anderen stehe das Prestige auf dem Spiel, wenn sie schon zuvor in der Krise involviert gewesen sei. Damit die Vereinten Nationen gegen einen Staat intervenierten, müsse aber noch einer von zwei weiteren Faktoren hinzukommen: Entweder handle es sich um einen Staat, der sich gegen die Intervention nicht wehren könne - zum Beispiel militärisch. Oder der Konflikt strahle in Nachbarländer aus, wenn es etwa eine Flüchtlingswelle gebe.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)