27. September 2011 10:22 Uhr
Choräle handeln nicht zwangsläufig nur von Gott und dem Glauben. An der Universität Uppsala wurde im Rahmen einer Studie das schwedische Kirchengesangbuch von 1695 genauer unter die Lupe genommen. Vor allem wollte man wissen, inwieweit die Lieder auch ein Spiegel ihrer Zeit sind. Der Literaturwissenschaftler Håkan Möller bezeichnete es dabei als besonders bemerkenswert, wie sehr die Mode der Zeit in den Chorälen kritisiert werde. So sei unter anderem moniert worden, dass sich junge Männer weniger um Stilfragen und um Perücken kümmern sollten - vor allem wenn diese im schlimmsten Falls aus "Huren-Haar" gewesen seien. Auch junge Damen sollten sich weniger ihrer Kleidung widmen.
Der Forscher wies darauf hin, dass Stockholm Ende des 17. Jahrhunderts zur Großstadt wurde und dadurch mehr Einflüssen von außen und auch Veränderungen ausgesetzt gewesen sei. Dies sei von vielen in Kirche und Staat als Bedrohung aufgefasst worden.
Das Gesangbuch von 1695 enthält 413 Choräle und wurde bis 1819 verwendet, in Finnland und in einzelnen schwedischen Gemeinden sogar noch länger. Während dieser Zeit gab es 250 Auflagen mit insgesamt 1,5 Millionen gedruckten Exemplaren - ein echtes "Volksbuch" also.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)