4. November 2011 10:51 Uhr
Zwillinge bringen Unglück. Dieser Ansicht sind die Menschen in der Küstenstadt Manajary auf der Insel Madagaskar - und das ist für Kinder und Eltern gleichermaßen ein Problem. Darüber berichtet der Nachrichtendienst "IRIN" des UNO-Büros für humanitäre Angelegenheiten. Der jahrhundertealte Aberglaube führe dazu, dass neugeborene Zwillinge fast immer von ihren Müttern getrennt würden. Sie würden entweder zur Adoption freigegeben oder ausgesetzt.
Ignace Rakoto, früherer Bildungsminister und Mitautor einer kürzlich veröffentlichten Studie zu dem Brauch, sagte "IRIN", viele Familien litten unter dem Tabu. Er nennt Beispiele von Frauen, die ihre Zwillinge behalten wollten, aber von der eigenen Famile dazu gedrängt wurden, sie zu verstoßen. Der Aberglaube vom Zwillingsfluch wird dem Bericht zufolge vor allem von einer lokalen Herrscherfamilie weitergetragen. Sie mache zum Beispiel ein Geschwisterpaar für den Misserfolg einer Revolte gegen die französischen Kolonialherrscher in den 40er Jahren verantwortlich: Eine Königin habe damals auf der Flucht einen ihrer Zwillinge vergessen. Sie habe ihre Soldaten gezwungen, ihn zu holen. Diese seien dann alle ermordet worden.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)