24. November 2011 16:23 Uhr

Analyse: "Shakespeare war ein körperlicher Dichter"

Shakespeare wäre vielleicht auch ein guter Arzt gewesen. In seinen Werken hat er körperliche Anzeichen von Gefühlszuständen deutlich besser beschrieben als andere Autoren seiner Zeit. Das schreibt Kenneth Heaton von der Universität Bristol im Fachjournal "Medical Humanities". Er hat sich durch alle 42 größeren Werke William Shakespeares gearbeitet und diese mit rund 50 Werken zeitgenössischer Dichter verglichen. Fünf Protagonisten Shakespeares erleben demnach Höhenangst und Schwindel, es kommen elf verschiedene Varianten von Atemlosigkeit durch starke Gefühlsregungen vor. Müdigkeit und Lustlosigkeit würden ebenfalls häufig als Zeichen von Trauer oder Beunruhigung erwähnt, etwa in Hamlet oder dem Kaufmann von Venedig. Bei anderen Schriftstellern gebe es weitaus nicht soviele Hinweise.

Heaton schreibt weiter, im Gegensatz zu seinen Kollegen habe Shakespeare verstanden, dass körperliche Probleme psychische Ursachen haben könnten. Sein Rat: Ärzte könnten ihre Behandlung deutlich verbessern, wenn sie bei ihren Diagnosen wie Shakespeare mehr auf die Gefühle ihrer Patienten achteten.

Ein Abstract gibt es hier.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)