6. Dezember 2011 07:52 Uhr
Eine Färbung bezüglich der verschiedenen Sprachregionen werde in der deutschen Sprache immer erhalten bleiben - das habe psychologische und biologische Gründe. Das sagt der Sprachwissenschaftler Karl-Heinz Göttert in der Zeitung "Die Welt". Er erklärt: Biologisch gesehen spezialisiere sich der Sprachapparat in frühester Kindheit und werde so geformt, dass bestimmte Töne erzeugt werden könnten - andere dagegen nicht. So entwickele jeder Mensch seinen eigenen Ton, der ihn von anderen Menschen abhebe.
Göttert ärgert sich über das Vorurteil, die Hochsprache wirke intelligenter und seriöser. Er meint: In Deutschland werde alles Mögliche gesprochen, außer Hochdeutsch. Sprachen, die von einer größeren Anzahl Menschen gesprochen würden, hörten sich niemals gleich an.
Für einen Dialekt, so Göttert, sei es besonders unfair gelaufen. Das Sächsische werde heutzutage als besonders schrecklich empfunden. Bis ins 16. Jahrhundert habe es dagegen als vorbildliches Deutsch gegolten. Dann jedoch hätten die Preußen die Sachsen besiegt und plötzlich sei das Nordische Vorbild gewesen. Die Beurteilung eines Dialektes gehe also einher mit Macht.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)