6. Dezember 2011 12:21 Uhr
Diese These ist für viele eine Provokation. Der Hirnforscher David Eagleman sagt in der neuen Ausgabe der Zeitschrift "Zeit-Wissen", ein Mörder sei kein Mensch wie jeder andere, der nur einmal eine schlechte Entscheidung getroffen habe, sondern sein Gehirn funktioniere vollkommen anders. Und: Diesen Unterschieden müsse auch das Rechtssystem Rechnung tragen.
Eagleman zufolge erhöhen bestimmte Gene die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ein Verbrechen begeht. Bei Mord sei sie acht Mal so hoch, bei sexuellen Übergriffen 13 Mal so hoch - und Studien hätten gezeigt, dass 98 Prozent der Häftlinge im Todestrakt diese Gene besäßen. Dies spreche niemanden von seiner Schuld frei, so Eagleman, aber in vielen Fällen beuge eine psychiatrische Behandlung künftigen Straftaten viel besser vor als eine Gefängnisstrafe.
Eagleman leitet das neurowissenschaftliche Labor am Baylor College of Medicine in Houston. Dort erforscht er, wie sich Menschen durch ihre eigenen Gedanken selbst heilen können, beispielsweise Nikotinsüchtige oder aggressive Gewalttäter.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)