9. Dezember 2011 15:20 Uhr
Afghanistan sollte nicht auf Hilfe seiner Nachbarn hoffen. Das schreibt der Leiter der Forschungsgruppe Asien der Stiftung Wissenschaft und Politik, Christian Wagner, im neuen SWP-Newsletter. Seiner Ansicht nach mühen sich die Nato-Staaten vergebens, die Verantwortung für Afghanistan nach dem Abzug ihrer Truppen auf die Nachbarstaaten zu verlagern.
Für seine wichtigsten Nachbarn Iran und Pakistan sei Afghanistan nur ein Nebenkriegsschauplatz, an dem sie ihre eigenen Interessen vertreten, so Wagner. Der Iran verstehe sich als traditionelle Schutzmacht der Schiiten in Afghanisten, wie Tadschiken und Turkmenen, und er trage im Nachbarland seinen Konflikt mit den USA aus. Für Pakistan wiederum stehe der Konflikt mit Indien im Vordergrund. Deshalb unterstützten sowohl der Iran als auch Pakistan die Taliban. Der Iran wolle so die USA beschäftigen und vom eigenen Land fernhalten, und die pakistanische Regierung wolle gegen die wachsende Beliebtheit Indiens ihren Einfluss im Nachbarland sichern.
Der Asienexperte Wagner glaubt, die Probleme, die durch ein instabiles Afghanistan entstünden - wie Drogenhandel, Terrorismus oder Flüchtlinge - seien offenbar nicht groß genug, um den Iran oder Pakistan zum Umdenken zu bewegen. Dennoch müsse die internationale Gemeinschaft die regionale Zusammenarbeit verstärkt unterstützen. Sonst drohe ein Bürgerkrieg in Afghanistan - und dann würden alle, auch die Nachbarstaaten - einen hohen Preis bezahlen.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)