12. Dezember 2011 07:58 Uhr

Strafrechtler Ambos: Moreno Ocampo hat dem Internationalen Strafgerichtshof geschadet

Der Chef des Internationalen Strafgerichtshofs werde eher als Mann der großen Worte denn als erfolgreicher Strafverfolger in die Geschichte eingehen. Das schreibt der Göttinger Strafrechts-Professor und Richter am Landgericht, Kai Ambos, in der "Süddeutschen Zeitung". Er kritisiert, Luis Moreno Ocampo habe in den mehr als acht Jahren Amtszeit als erster Chefankläger des Strafgerichtshofs kein einziges abgeschlossenes Verfahren vorzuweisen.

Der Argentinier ziehe Pressekonferenzen dem Aktenstudium vor und mache lieber große Worte über seine historische Rolle als "mächstigster Strafverfolger der Welt", statt sich mit dem mühsamen juristischen Tagesgeschäft zu befassen. Er habe kein einziges Verfahren außerhalb Afrikas eröffnet, obwohl es dazu, etwa in Kolumbien, durchaus Anlass gegeben hätte. Zahlreiche erfahrene Staatsanwälte und Ermittler hätten unter Moreno frustriert das Handtuch geworfen. Fast alle Experten sähen seine Arbeit kritisch.

Ambos hat aber Hoffnung für die Zukunft: An diesem Montag werde die Gambianerin Fatou Bensouda zu Morenos Nachfolgerin gewählt. Sie werde von den meisten Beobachtern als gute Wahl betrachtet. Es sei zu hoffen, dass sie es besser mache als ihr Vorgänger.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)