14. Dezember 2011 06:53 Uhr
Manche Menschen sehen die Wohnung als eine Art Mutterersatz. So zumindest deutet der Psychoanalytiker Hannes König einige Trends des Wohnens - zum Beispiel umhüllten geschwungene Baldachine das Bett oder tiefe Sitzpolster würden zum Versinken einladen. In der Zeitschrift "Psychologie Heute" schreibt der Wissenschaftler, in einer Zeit wachsender Unsicherheit sehne sich der Mensch mehr denn je nach Geborgenheit, von der er glaube, sie einst im Mutterleib erfahren zu haben. Diesen Zustand des Geschütztseins und der Abkapselung von außen versuche er so gut es geht zu imitieren - und so werde die Wohnung zum Uterus.
Diese Abschottung ist laut König bedenklich, weil sie in einen Teufelskreis münden könne. Denn je mehr der Einzelne sich zurückziehe, desto weniger sei er einer reifen Auseinandersetzung mit den wichtigen Anforderungen des Lebens gewachsen.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)