19. Dezember 2011 14:56 Uhr

GIGA-Institut: Jugendproteste spiegeln übergeordnete Konflikte wider

Jugendliche sind Seismographen für gesellschaftliche Problemlagen. So spiegeln die Jugendproteste der vergangenen Monate übergeordnete Konflikte wider - egal ob sie in Tunesien, Griechenland oder den USA stattgefunden haben. Zu diesem Schluss kommt die Politikwissenschaftlerin Sabine Kurtenbach vom GIGA-Institut in ihrer Analyse.

Der Forscherin zufolge wird den Jugendlichen in einigen Ländern der Weg in die ökonomische Unabhängigkeit blockiert. So richte sich in Chile der Protest gegen ein Bildungssystem, das in höchstem Maße kommerzialisiert und privatisiert sei. In Spanien und auch in vielen Ländern des Nahen Ostens sei die Arbeitslosigkeit gerade bei gut ausgebildeten jungen Menschen besonders hoch. Aber selbst dort, wo Jugendliche Arbeit hätten, sei der Anteil derer, die von dieser Arbeit nicht leben können, beträchtlich. Nach Ansicht der Wissenschaflerin versagen hier offenbar die politischen Systeme - und zwar unabhängig davon, ob sie demokratisch oder autoritär sind.

Ob die Proteste dann gewalttätig würden, hänge auch davon ab, ob Jugendliche nicht nur in Sonntagsreden als zentrale Akteure für die Zukunft ernst genommen würden. Wo dies nicht geschehe, könnten punktuelle Proteste durchaus in die Systemfrage münden.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)