19. Dezember 2011 16:23 Uhr

Zusammenbruch der Sowjetunion und Tschernobyl-Katastrophe hatten vergleichbare Folgen für Landwirtschaft

Forscher des Leibniz-Instituts für Mittel- und Osteuropa haben einen ungewöhnlichen Vergleich angestellt: Sie haben die Katastrophe von Tschernobyl und den Zusammenbruch der Sowjetunion auf ihre Folgen für die Landwirtschaft untersucht. Wie sie in der Fachzeitschrift "Environmental Research Letters" schreiben, fanden sie anhand von Satellitenbildern heraus, wie viele landwirtschaftliche Flächen nach den Ereignissen stillgelegt wurden. Das Ergebnis: In den sechs Jahren nach dem Systemzusammenbruch ist mehr Fläche stillgelegt worden als nach dem Reaktorunglück.

Der Befund kommt für die Forscher überraschend: Mit einer solchen Dynamik nach dem Ende der Sowjetunion hätten sie nicht gerechnet. So sei insgesamt rund ein Sechstel der landwirtschaftlichen Flächen stillgelegt worden.

Vor allem in den heutigen Gebieten der Ukraine und Russlands könne anhand der Satellitendaten gezeigt werden, wie sich die politische Veränderung auch in der Landwirtschaft niedergeschlagen habe. Den Grund dafür sehen die Wissenschaftler im Übergang zur marktwirtschaftlichen Politik. Die Regierungen hätten die ländlichen Räume nach dem Systemwechsel weniger unterstützt und die Abnahme von produzierten Gütern sei außerdem nicht mehr garantiert worden.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)