20. Dezember 2011 17:53 Uhr

Kulturwissenschaftler: Wunschzettel waren eine schlaue Marketingidee

Wunschzettel waren früher eine Leistungsschau, in der gezeigt wurde, wie die Dressur der Kinder voranschritt. Das sagt der Kulturwissenschaftler und Kunsthistoriker Thorkild Hinrichsen über die ersten Kinderbriefe zu Weihnachten. Er erklärt im Gespräch mit der Online-Ausgabe der "Süddeutschen Zeitung", im 18. Jahrhundert seien Wunschzettel an die Eltern oder Paten adressiert gewesen - und nicht wie heute an das Christkind oder den Weihnachtsmann.

Die Kinder hätten sich auch nicht Puppen oder Zinnsoldaten für sich selbst gewünscht, sondern Gesundheit und Glück für die Eltern. Mutter und Vater seien in Schönschrift und mit schwülstigen Worten gelobt worden.

Ab Ende des 19. Jahrhunderts wurden dann laut Hinrichsen ganze Wunschkataloge zum Ankreuzen verkauft. Der moderne Wunschzettel sei also die schlaue Marketingidee eines Spielwarenhändlers. - Hinrichsen ist Direktor des Altonaer Museums in Hamburg. Dort wird zurzeit eine Ausstellung zur Entwicklungsgeschichte des Wunschzettels gezeigt.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)