4. Januar 2012 06:26 Uhr

Historiker untersucht Rücktritte in der deutschen Geschichte

Der Augsburger Historiker Michael Philipp ist ein selbsterklärter Rücktrittsfan. Er nennt Rücktritte etwas Gutes, weil sich die Gesellschaft an ihnen ihrer moralischen Standards versichere. Philipp sagte im Interview mit der "Frankfurter Rundschau", es wäre gut, wenn es mehr Rücktritte gäbe. Denn diese würden ein politisches Amt von einem Makel reinigen.

Philipp hat für eine Studie 250 Rücktritte in der bundesdeutschen Geschichte untersucht. Er kommt dabei zu dem Schluss, dass es einen deutlichen Wandel bei den Rücktrittsgründen gegeben habe. 1965 habe der Hamburger Bürgermeister Paul Nevermann zum Beispiel wegen der Trennung von seiner Frau sein Amt aufgegeben. Heute heirateten die Amtsinhaber mitunter zum vierten Mal. Philipps Fazit: In den 60er Jahren hätte ein Ministerpräsident sicherlich keine Unternehmer-Einladungen angenommen.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)