9. Januar 2012 18:03 Uhr
Gibt es eine Medienkampagne gegen Bundespräsident Christian Wulff? Darüber sind die Meinungen geteilt. Der Journalistik-Professor Stephan Weichert von der privaten Macromedia-Hochschule in Hamburg spricht von einer bigotten publizistischen Schlammschlacht. Auf dem Internetportal Meedia schreibt er, die Kreditaffäre führe beinahe prototypisch vor, wie aus ehemals gehypten Politikern plötzlich Staatsfeinde gemacht würden. Außerdem zeige sie, wie mediale Bruderschaften geschmiedet und wohlfeile Kampagnen ausgeheckt würden.
Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz von der TU Berlin findet dagegen, dass Wulff selber schuld sei. Im Deutschlandfunk sagte er, Wulff verhalte sich so tollpatschig, dass er auch noch den letzten journalistischen Jäger hinter dem Ofen hervorlocke und nun tatsächlich alle auf der Jagd seien. Bolz glaubt nicht an eine lancierte Kampagne; einen übergeordneten Plan dafür könne er nicht erkennen. Allerdings gebe es eine sogenannte Koorientierung der Journalisten, das heißt, sie schauten mehr als auf die Welt auf das, was die Kollegen machen. Das führe in manchen Fällen zu einer autistischen Verblendung.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)