15. Februar 2012 07:37 Uhr

"Tschüss" statt "Servus": Sprachforscher hält Verbot für unsinnig

In Bayern hat eine Rektorin ihre Schule zu einer "Hallo- und tschüss-freien Zone" erklärt. Der Bonner Sprachforscher Georg Cornelissen hält dieses Vorgehen für einen hilflosen Versuch von Spracherhalt. Wenn junge Menschen heutzutage "Hallo" und "Tschüss" statt "Servus" sagten, sei das kein Sprachverfall, sondern Sprachwandel.

Der Wissenschaftler des Landschaftsverbandes Rheinland sagte der Nachrichtenagentur epd, er verstehe zwar den erzieherischen Ansatz der Rektorin. Die Umsetzung durch ein Verbot akzeptierter Grußformeln sei aber völlig daneben. Sinnvoller sei es, im Unterricht auf den regionalen und sozialen Variantenreichtum der Sprache einzugehen.

Wenig bekannt ist laut Cornelissen zum Beispiel, dass sich "Tschüss" und "Tschö" vermutlich vom spanischen "Adios" beziehungsweise vom französischen "Adieu" ableiten. Vor rund hundert Jahren seien noch Grußformeln wie "Atschüss" und "Atschö" üblich gewesen.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)