28. März 2012 17:53 Uhr

Testosteron: Harte Kerle haben wenig

Wann ist ein Mann ein Mann? Fast jeder würde vermutlich der Behauptung zustimmen, dass Testosteron dabei eine Rolle spielt.

Forscher der Universitäten Washington und Kalifornien sehen das inzwischen etwas differenzierter. Sie schreiben in den "Proceedings" der britischen Royal Society, viel des männlichen Geschlechtshormons sorge zwar für mehr Muskelmasse und damit auch für mehr Kraft. In bestimmten Situationen sei das aber von Nachteil.

Die Forscher stützen sich auf ihre Untersuchungen beim Volk der Tsimane in Bolivien. Die Männer des Stammes müssten im täglichen Kampf ums Überleben hart körperlich arbeiten und hätten außerdem mit vielen Krankheiten und Parasiten zu kämpfen. Dennoch hätten sie nur rund ein Drittel so viel Testosteron im Blut wie Männer aus Industrieländern.

Die Wissenschaftler erklären das so: Mehr Muskelmasse zu produzieren, koste Energie. Außerdem verringerten hohe Konzentrationen des Hormons die Leistungen des Immunsystems - alles in allem also ein Nachteil für die "echten" Männer aus dem Regenwald. Einen hohen Testosteronspiegel könnten sich daher nur Männer leisten, die in weniger anspruchsvollen Gegenden lebten.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)