2. April 2012 16:37 Uhr
Nein, das ist kein Aprilscherz. Das hätten Berliner Kiosk-Besitzer gestern gut zu ihren Kunden sagen können, um ihnen eine juristische Merkwürdigkeit zu erklären. Denn seit kurzem decken sonntags ab 16 Uhr viele inzwischen einen Großteil ihrer Waren mit Tüchern ab. Mitte März hatte ein Anwohner aus dem Prenzlauer Berg mehr als 60 "Spätis" angezeigt - wegen Verstößen gegen das Ladenöffnungsgesetz. Am Sonntag dürfen nämlich bis 16 Uhr nur bestimmte Waren wie Brötchen, Zeitungen oder Milchprodukte verkauft werden. Von 16 bis 20 Uhr gibt es dann nur eine Verkaufsgenehmigung für "Reisebedarf". Was dazu zählt, ist juristisch umstritten. Deswegen verstecken die Kiosk-Besitzer ihre Waren vorsichtshalber. Inzwischen fordern sie eine Änderung des Ladenöffnungsgesetzes - sie wollen mit Tankstellen gleichgestellt werden, denn die dürften schließlich auch sonntags rund um die Uhr die gleichen Waren wie Supermärkte anbieten.
Die Spätverkauf-Tradition stammt übrigens noch aus der DDR: Damals gab es extra Verkaufsstellen für Schichtarbeiter, damit sie nicht vor leeren Regalen standen, wenn sie von der Arbeit kamen. Im Volksmund wurde daraus liebevoll der "Späti".
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)