3. April 2012 08:41 Uhr
Hat das Schweizer Bankgeheimnis Juden dabei geholfen, ihr Vermögen aus Nazideutschland zu retten? Nein, sagt der Züricher Wirtschaftshistoriker Jakob Tanner. Hier bei DRadio Wissen erklärte er, es handle sich bei dieser Behauptung um einen Marketing-Gag. Damit habe man in der Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg das Bankgeheimnis aufwerten wollen. Die eidgenössischen Geldhäuser hätten durch ihr Verhalten während des Krieges den Anlageplatz Schweiz gestärkt, indem sie sich auch den Forderungen der Amerikaner nach einer Lockerung der Geheimhaltungspflichten verweigert hätten. Die USA hatten den Banken vorgeworfen, auch Nazi-Vermögen vor dem amerikanischen Zugriff zu schützen. Als dann die Bundesrepublik 1949 als neuer Akteur auftrat, habe man dieses Geld ausgezahlt. Mit dem weltweiten Wirtschaftswachstum sei die Schweiz dann in den 60er Jahren zu einem wichtigen Anlageplatz geworden.
Tanner betonte, das Bankgeheimnis sei zwar erst seit 1935 gesetzlich festgeschrieben. In Wirklichkeit sei es aber viel älter. Es habe schon früher bei Baseler und Züricher Geldhäusern eine Tradition der Diskretion gegeben.
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Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)