16. April 2012 11:21 Uhr

Vatikanexperte Politi: Papst regiert als "einsamer Monarch"

"Wir sind Papst!", freuten sich in Deutschland viele, als Kardinal Joseph Ratzinger vor sieben Jahren zum Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gewählt wurde. Zu seinem heutigen 85. Geburtstag ist die Begeisterung nicht mehr bei allen so groß. So hat etwa der italienische Publizist Marco Politi dem Papst ein zwiespältiges Zeugnis ausgestellt. Benedikt der Sechzehnte sei zwar ein "großer Intellektueller". Allerdings habe er wenig Gespür für seine Rolle als religionspolitischer Führer. Im Deutschlandradio Kultur sagte Politi, während Benedikts bisherigem Pontifikat habe es mehr Krisen gegeben als in den hundert Jahren zuvor. Beispiele seien Auseinandersetzungen mit dem Judentum, dem Islam und die Debatten um Aids und Kondome. Dazu komme der Skandal um sexuellen Missbrauch, bei dem der Papst zwar einerseits streng gegen pädophile Priester vorgegangen sei. Andererseits habe er aber eine Anzeige der Kriminellen nie per Dekret zur Pflicht erklärt.

Politi betonte, der Papst regiere praktisch als "einsamer Monarch" und habe keine Kontakte zur normalen Welt. Mit seinen Bischöfen spreche er nur kollektiv und nicht einzeln. So fehle ihm der "Input" aus der Gesellschaft.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)