20. April 2012 08:02 Uhr

Spruchreif: Paul Celan über das Grauen des Holocaust

Das Zitat des Tages kommt heute vom 1970 verstorbenen Lyriker Paul Celan und lautet: "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland." Dies ist wohl der berühmteste Satz aus Celans Gedicht 'Todesfuge', das der aus Czernowitz stammende Sohn einer deutschsprachigen jüdischen Familie erstmals 1948 veröffentlicht hat. Das Grauen der Gefangenen in den Vernichtungslagern der Nazis, wo auch Celans Eltern umkamen, wird hier in lyrischer Form festgehalten: "Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts, wir tinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends, wir trinken und trinken." Bis zu seinem Selbstmord im Jahr 1970 litt Celan an Psychosen, die auch Folgen der eigenen Deportation und des Wiederaufkommens nationalsozialistischer Strömungen in Deutschland waren. Hätte Celan erfahren, dass Günter Grass, der Autor der "Blechtrommel", Mitglied der Waffen-SS war, dann wäre der Lyriker vor Grass wohl geflohen, so schnell und so weit wie nur möglich. Ein Urteil, das der amerikanische Bestseller-Autor Louis Begley jüngst in der Debatte über Grass gefällt hat.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)