25. April 2012 06:54 Uhr

Bundestagspräsident kritisiert Talkshow-Schwemme

Das Geschenk war eine Rede - aber eine ziemlich kritische.

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat bei der Geburtstagsfeier zum 60-jährigen Bestehen des Berliner Presseclubs den Festvortrag gehalten und dabei die Flut von Talkshows angeprangert. Das Format schließe aus, dass Themen ernsthaft diskutiert würden. Es sei bemerkenswert, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Jahr 28 Stunden lang Bundestagsdebatten übertrage, aber 1000 Stunden Talkshows.

Lammert sprach von einer Dominanz der digitalen Medien. Diese konfrontiere die Gesellschaft mit einem zunehmenden Vorrang von Bildern gegenüber Texten, Personen vor Themen, Schlagzeilen vor Analysen und Schnelligkeit vor Gründlichkeit. Es gebe außerdem - Zitat - einen "geradezu deprimierenden Vorrang der Unterhaltung vor der Information". Der Bundestagspräsident rief die Journalisten zu mehr kritischer und analytischer Arbeit auf.

Eine Nachfrage von DRadio Wissen ergab, dass Bundestagspräsident Lammert bei seinem 28 zu 1.000-Stunden-Vergleich "Phoenix" ausgeklammert hat. Der öffentlich-rechtliche Fernsehsender hat 2011 fast 350 Stunden aus dem Parlament berichtet.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)