30. April 2012 12:27 Uhr

Kaspar Hauser: Volkskundler zweifelt an Erbprinz-Theorie

War Kaspar Hauser der Erbprinz von Baden? Noch immer wuchern wilde Verschwörungstheorien um das Findelkind, das angeblich vor zweihundert Jahren geboren wurde. Der Volkskundler Oliver Säger hat eine klare Meinung: Den "Nürnberger Nachrichten" sagte er, die Prinzenthese sei eine reine Räuberpistole, die die Sensationslust der Medien befriedigt und gleichzeitig politischen Interessen gedient habe. Es sei unvorstellbar, dass man damals am badischen Hof den Thronfolger habe verschwinden lassen, um einen anderen an die Macht zu bringen. Dafür hätte man viel zu viele Menschen zum Schweigen verpflichten müssen. Wahrscheinlicher sei, dass Kaspar Hauser das Kind eines Besatzungssoldaten aus Tirol gewesen sei und in elenden Umständen aufwuchs. Im Jahr 1828 tauchte der Junge in Nürnberg auf. Er konnte nicht reden und kaum laufen. In einer Tasche trug er einen Brief bei sich, in dem sein Geburtstag auf den 30. April datiert wurde. Später erzählte er, er sei jahrelang an einem unbekannten Ort in einem Verlies gehalten worden. Kaspar Hauser starb im Winter 1833 unter ungeklärten Umständen durch einen Stich in die Brust.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)