2. Mai 2012 14:53 Uhr
Das Wort "Türe" hätte ein guter Katholik aus Süddeutschland vor rund 250 Jahren keinesfalls in den Mund genommen. Sprachforscher der Universität Münster erklären, das liege am "e" am Ende des Wortes. Das nämlich sei damals als eindeutiger Hinweis auf Martin Luthers Bibelübersetzung und einen protestantischen Hintergrund gewertet worden. Und deshalb hätten so manche Katholiken das "Lutherische e" in Worten wie "Türe" und "Bote" einfach verweigert.
Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass sich Katholiken und Protestanten früher ganz erheblich in ihrem Sprachgebrauch unterschieden. So hätten protestantische Gelehrte das Meißnische Deutsch, wie es Martin Luther sprach, zum Vorbild erhoben. Bei den Katholiken dagegen habe Oberdeutsch als der erstrebenswerte Dialekt gegolten.
Als Hintergründe der Entwicklungen nennen die Wissenschaftler aber nicht nur religiöse Faktoren: Auch territoriale Gegebenheiten und lokale Machtgefüge hätten dabei eine Rolle gespielt.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)