16. Mai 2012
17 Jahre ist der Bosnienkrieg her - doch noch immer gibt es sie, die alten Feinbilder. Dieser Ansicht ist die Soziologin Ana Mijic, die die Situation in Bosnien heute erforscht. Vor dem Prozess gegen den ehemaligen General Ratko Mladic sagte sie der "Frankfurter Rundschau", ein großer Teil der Serben sehe in ihm noch immer den Kriegshelden, der ihr Volk verteidigt habe. Daran werde sich auch durch den Prozess in Den Haag kaum etwas ändern: Denn wenn das Gericht nicht der Erwartungshaltung der Menschen folge, dann würden die Richter einfach als Werkzeuge feindlicher Mächte gesehen oder als bürokratische Monster.
Das alles gelte aber nicht nur für die Serben. Auch die anderen Ethnien, die Kroaten oder die muslimischen Bosnier betrachteten sich als Kriegsopfer und wiesen alle Schuld von sich. Zum Teil würden deshalb sogar Schüler der verschiedenen Ethnien zwar in einem Gebäude unterrichtet, allerdings zu unterschiedlichen Zeiten.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)