21. Mai 2012
Wer im Krieg Leichen verstümmelt oder gar Körperteile als Trophäe mitnimmt, der ist geistesgestört. Das ist zumindest die gängige Meinung. Einem Professor des britischen Economic and Social Research Council war diese Erklärung aber zu einfach. Er untersuchte die Fälle genauer und kam zum Schluss, dass sich die Soldaten in die Rolle des Jägers versetzt fühlten. Opfer dieser Soldaten seien fast immer Menschen gewesen, die sich äußerlich deutlich vom Angreifer unterschieden.
Professor Simon Harrison spricht dabei von Rassismus und führt die Kriege in Jugoslawien und Afghanistan an. In Jugoslawien habe es keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten gegeben, in Afghanistan schon. Dort seien Feinde von den Soldaten oft als "Tiere" oder "Beute" wahrgenommen worden. Solche Metaphern seien schon in der Ausbildung von Truppen in Europa und den USA weit verbreitet. Die Medien würden diese Sicht noch untermauern.
Professor Harrison meint, nahestehende Feinde würde man bekämpfen, Unbekannte dagegen eher jagen. Und das könne zu so unmenschlichen Reaktionen führen wie Leichenverstümmelung oder Trophäen-Sammeln. Darin unterschieden sich moderne Soldaten kaum von kopfjagenden Naturvölkern.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)