31. Mai 2012
Jetzt hat auch die Türkei eine Abtreibungsdebatte. Das schreibt die "Frankfurter Rundschau". Dem Bericht zufolge sind bisher Schwangerschaftsabbrüche in den ersten zehn Wochen ohne weitere Indikation legal. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will die Spanne nun auf fünf Wochen verkürzen. Er sagte, Abtreibung sei Mord und verstoße gegen den Willen Gottes. Offiziellen Angaben zufolge steigt die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in der Türkei, ist aber nur halb so hoch wie in Europa.
Laut "FR" kritisierte Erdogan im gleichen Atemzug auch Kaiserschnittgeburten. Diese seien ihm zufolge unnatürlich, weil Frauen auf diese Weise nicht mehr als zwei oder drei Kinder bekommen könnten. Krankenhäuser mit unnötig vielen Kaiserschnitten sollen eine Strafe zahlen.
Hunderte Frauenrechtlerinnen demonstrierten gegen den Vorstoß der türkischen Regierung. Ein Oppositionsabgeordneter sagte, der Ministerpräsident solle aufhören, sich in die privaten Angelegenheiten von Frauen einzumischen, und lieber das Land regieren.
Die Zeitung berichtet auch über eine skurrilen Hintergrund der Debatte. Demnach bezeichnete Erdogan Abtreibungen und Kaiserschnittgeburten als Teil eines geheimen Komplotts des Auslands, um das türkische Wirtschaftswachstum zu boykottieren. Sein Ziel sind mindestens drei Kinder pro Familie. So soll die Türkei bis zum 100. Jahrestag der Republikgründung 2023 90 Millionen Einwohner haben.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)