5. Juni 2012
Von wegen Spaßgesellschaft. Einer Studie zufolge klingt Popmusik heute oft trauriger als noch in den 60er Jahren. Soziologen und Musikpsychologen der FU Berlin haben rund 1.000 Titel der US-Charts aus den Jahren 1965 bis 2009 analysiert - unter anderem, ob das Lied in Dur oder Moll war und welches Tempo es hatte. So wirken schnelle Dur-Stücke wie "She loves you" von den Beatles eher fröhlich, langsame Moll-Balladen wie "Hotel California" von den Eagles eher traurig.
Das Ergebnis der Untersuchung: Seit den 60er Jahren hat sich die Anzahl der Pop-Hits in Moll nahezu verdoppelt. Laut der Studie gibt es mittlerweile auch mehr Titel, die gemischte Gefühle transportieren. Zum Beispiel Stücke in Moll, die vergleichsweise schnell seien. Oder Titel in Dur, die sehr langsam daherkämen. Das mache eine Ambivalenz aus, die es früher selten gab. Damals seien Titel eher nur fröhlich oder nur traurig gewesen.
Die Wissenschaftler vermuten, dass heute weit mehr Gefühle zugelassen werden als noch in den 60er Jahren - und die Welt seltener in schwarz oder weiß eingeteilt wird. Klassische Musik habe zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert eine erstaunlich ähnliche Entwicklung genommen.
Die Studie ist im Facmhagazin "Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts" erschienen.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)