6. Juni 2012
"Ich geh Schule." - das ist Kiezdeutsch. In der Sprachwissenschaft ist eine Diskussion darüber entbrannt, ob diese soziale Varietät des Deutschen die Hochsprache gefährdet. Ganz klar nein, meint der Sprachwisenschaftler Jürgen Trabant von der Jacobs University in Bremen. In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" schreibt Trabant, er teile die Sorge von Philologen nicht, dass schichtspezifisches Deutsch, das vor allem von Migranten gesprochen werde, das Hochdeutsche verdränge.
Trabants Ansicht nach ist es bedenklicher, dass höhere Bildung fast nur noch auf Englisch stattfindet. Denn erst dadurch steige das vermeintlich niedere Deutsch zur Kiezsprache herab. Trabant nennt diesen Prozess Verkiezung und kommt zu dem Schluss: Verkiezung ist schlimmer als die Kiezsprache selbst. Oder anders ausgedrückt: Besser die Jugendlichen sagen "Ich geh Schule", als wenn sie gar kein Deutsch reden.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)