15. Juni 2012
Zwangsabtreibungen sind in China nicht selten, ein Fall aus dem Nordwesten des Landes hat jetzt besonders große Empörung ausgelöst.
Das Familienplanungsbüro hatte eine 27-Jährige zur Abtreibung gezwungen - im siebten Monat der Schwangerschaft. Der Grund: Sie hatte bereits ein Kind und verstieß somit gegen die Ein-Kind-Politik.
Weil sie die Strafe von umgerechnet gut 5.000 Euro nicht zahlen konnte, wurde durch eine Injektion die Fehlgeburt eingeleitet. Ein Familienmitglied beschrieb den Vorfall im Netz und stellte Bilder ein - von der Frau und dem getöteten Fötus. Die Reaktionen waren heftig: In den vergangenen zwei Tagen war die Zwangsabtreibung das meistkommentierte Thema in chinesischen Internetforen, es ist die Rede von einem "Auschwitz in der Gebärmutter". Die betreffende Behörde hat sich daraufhin entschuldigt. Der Fall solle untersucht werden.
Die Familienplanungsbehörden stehen übrigens auch unter Druck: Wenn die vorgeschriebenen Geburtenraten in ihrem Gebiet überschritten werden, müssen die Mitarbeiter selbst Strafen zahlen. Die drakonische Geburtenplanung in China war 1979 nach einer Hungerkatastrophe in den 60er Jahren eingeführt worden.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)