18. Juni 2012

Hintergrund: Die Gacaca-Gerichte in Ruanda

Ein Hintergrund zu den urteilenden Volkstribunalen, den sogenannten Gacaca-Gerichten: Namensgeber ist das ruandische Gacaca-Gras, auf dem die Dorfältesten einst unter freiem Himmel saßen und ihre Urteile fällten. Die Verfahren waren ursprünglich nicht dazu da, jemanden zu bestrafen, sondern den sozialen Frieden zu wahren. Zum Abschluss des Prozesses wurde deshalb häufig ein gemeinsames Mahl veranstaltet.

Im Zuge des Völkermordes dienten die Gacaca-Gerichte dagegen vor allem dazu, die Flut der Gewalttaten zu behandeln. Die Richter wurden innerhalb der jeweiligen Gemeinde ausgewählt, meist auf Grundlage ihrer Rechtschaffenheit. Eine juristische Ausbildung war nicht erforderlich.

Das führte zu Kritik von Menschenrechtsorganisationen wie "Human Rights Watch", die von mangelnder Professionalität und Fairness sprachen. Die ruandische Regierung hingegen argumentierte, die meisten Urteile seien aufgrund von vielen Augenzeugenberichten gefallen. Falschaussagen wären da sofort entlarvt worden.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)