28. Juni 2012
"Die Gesellschaft verändert sich rasant, das macht vielen Menschen mentalen Stress." Dieser Ansicht ist der Migrationsforscher Klaus Bade. Im Interview mit der "tageszeitung" sagte er, die Politik sollte vorleben, diesen steten Wandel als Normalität zu begreifen. Doch das mache sie nicht, denn dazu brauche man gesellschaftspolitische Antworten und die hätten viele Politiker nicht.
Nach der Debatte um das Buch von Thilo Sarrazin im vergangenen Jahr seien viele Menschen allerdings durch den Massenmord in Norwegen und die Serienmorde der NSU-Zelle aufgeschreckt worden. Bade bezeichnet die Reaktion der beiden Länder auf diese Ereignisse als interessant. In Norwegen habe die Politik mit einem demonstrativen Appell zu noch mehr offensiver Akzeptanz von kultureller Vielfalt reagiert. In Deutschland habe es nur zur Trauer und zur Wendung gegen Rechtsextremismus gereicht.
Klaus Bade lehrte lange an der Uni Osnabrück. In den vergangenen drei Jahren war er Vorsitzender des Sachverständigenrates für Integration und Migration.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)