3. Juli 2012
Wer Krebs hat, neigt auch zu Blutgerinnseln - und wer zu verstärkter Blutgerinnung neigt, hat ein erhöhtes Krebsrisiko. Dieser Zusammenhang ist schon seit knapp 150 Jahren bekannt. Doch erst jetzt entdeckten Molekularbiologen und Mediziner der Universität Heidelberg die Ursache dafür und beschrieben sie in der aktuellen Ausgabe von "Spektrum der Wissenschaft".
Sie fanden heraus, dass Zellen, die durch Entzündungen unter Stress geraten - wie etwa bei Krebs - ein Enzym produzieren, das für eine übermäßige Produktion des Blutgerinnungsfaktors Prothrombin sorgt. Ein bisher unbekannter Mechanismus verändere den Bauplan für das Protein Prothrombin. Dies könne zu vermehrten Blutgerinnseln führen.
Andererseits trage Prothrombin dazu bei, dass neue Blutgefäße entstünden. Dies könne sogar den Kitt auflösen, der die Zellen zusammenhält. Möglicherweise, so die Forscher, erhöhten also Krebszellen ihre Prothrombin-Produktion, um besser in gesundes Gewebe einzudringen und die Tumorzellen zu versorgen.
Den Zusammenhang zwischen häufigen Blutgerinnseln und bestimmten Krebsformen hat 1866 der französische Mediziner Armand Trosseau am eigenen Leib entdeckt. Er diagnostizierte bei sich selbst eine Krebserkrankung auf Grund eines Blutgerinnsels im Arm - und starb wenige Monate später an dem Tumor.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)