11. Juli 2012
Ach, die Hormone... Ihre Wirkung wird oft herangezogen, um das mitunter merkwürdige Verhalten von Mensch und Tier zu erklären. Bedenklich wird es, wenn Chemikalien in diese ohnehin komplizierten Wechselwirkungen eingreifen, indem sie Hormone imitieren. Bisphenol A, kurz BPA, ist so ein Fall. Es kommt eigentlich als Weichmacher für Kunststoffe zum Einsatz, hat seinen zweifelhaften Ruf jedoch eher dadurch erworben, dass es das weibliche Geschlechtshormon Östrogen imitiert.
Wie Forscher der Universität Minnesota beobachtet haben, ist die Wirkung bei Fischen besonders drastisch. In der Natur kommen die Tiere mit BPA zum Beispiel durch das Wasser in belasteten Flüssen in Kontakt. Bei den untersuchten Karpfen führte eine zweiwöchige BPA-Belastung zu einer artenübergreifenden Fehlsteuerung: Die Tiere der einen Karpfenart balzten plötzlich Angehörige der entfernten Verwandtschaft an, statt sich um die eigene Art zu kümmern. Die Forscher schreiben im Fachmagazin "Evolutionary Applications", das führe auch dazu, dass sich die Tiere artübergreifend paarten und dadurch nicht für eigenen Nachwuchs sorgten.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)