23. Juli 2012
Mit den dunklen Seiten seiner Geschichte hat sich Österreich nie richtig befasst. Das ist der Vorwurf, den der Kommunikationswissenschaftler Maximilian Gottschlich seinen Landsleuten macht. In der "Tageszeitung" sagte er, Antisemitismus sei Teil der österreichischen Seele. So könne noch heute jeder Zweite erklären, Angst davor zu haben, dass Juden zu viel Einfluss auf die Geschäftswelt nehmen. Es fehle aktiver Widerstand gegen Judenfeindlichkeit. Einer der Gründe sei, dass in Österreich bis 1986 die Beteiligung an den Verbrechen der Nazis nicht thematisiert worden sei. Damals hatte die in Österreich regiernde ÖVP Kurt Waldheim als Präsidentschaftskanditaten aufgestellt. Daraufhin kam heraus, dass er als Wehrmachts-Offizier auf dem Balkan von den Verbrechen der Nazis gewusst hatte. Waldheim bestritt das und bezeichnete die Vorwürfe als Schmutzkampagne. Er wurde zwar zum Präsidenten gewählt, wegen seiner Vergangenheit erklärten ihn viele Staaten aber als unerwünschte Person. Für eine zweite Amtszeit trat er nicht mehr an.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)