24. August 2012

Gehirn speichert Musik extra - Cellist kann trotz Gedächtnisverlust Noten lesen und Melodien erinnern

Das menschliche Gehirn hat offenbar eine eigenständige Musikabteilung.

Wissenschaftler der Charité-Universitätsmedizin Berlin konnten an einem Fallbeispiel zeigen, dass das Gedächtnis für Töne, Melodien und Noten unabhängig von anderen Gedächtnisleistungen organisiert zu sein scheint. Sie untersuchten einen Cellisten, der nach einer Gehirnentzündung unter einer schweren Gedächtnisstörung litt. Er konnte über keinerlei Ereignisse aus seinem Leben mehr berichten und sich nicht an Verwandte und Freunde erinnern. Gleichzeitig verfügte er jedoch über ein völlig intaktes Gedächtnis für Musik, er konnte weiter Noten lesen und Cello spielen, sich an Melodien aus der Vergangenheit erinnern und sogar neue, ihm unbekannte Stücke dauerhaft speichern.

Der Charité-Forscher Carsten Finke vermutet, dass die enorme Bedeutung von Musik zu allen Zeiten und in allen Kulturen dazu beigetragen hat, ein eigenständiges musikalisches Gedächtnis zu entwickeln.

Die Studie wurde im Fachjournal "Current Biology" veröffentlicht.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)