26. September 2012
Die Dänen müssen kein schlechtes Gewissen wegen der Zerstörung der alten grönländischen Kultur haben.
Zu diesem Schluss kommt zumindest der Historiker Jens Heinrich aus Grönland. Die Einheimischen hätten nicht auf Druck der Kolonialmacht ihre Jägerkultur aufgegeben und eine Fischereiindustrie aufgebaut, sondern gezielt gehandelt. Heinrich sagte dem dänischen Portal "Videnskap": "Die Grönländer waren in der Lage, ihre Entwicklung zu steuern, und sie wussten, was sie erreichen wollten: mehr Selbstbestimmung, Ausbildung und Kontakt mit der Umwelt".
Eine Untersuchung der Machtverhältnisse im 20. Jahrhundert habe gezeigt, dass Dänemark in Wirklichkeit versucht habe, die alte Kultur zu bewahren. Die grönländischen Landräte hätten sich dagegen für eine Modernisierung eingesetzt, und der Zweite Weltkrieg, als Dänemark von den Deutschen besetzt war, habe diese Ambitionen noch gestärkt.
Grönland war von 1721 bis 1953 dänische Kolonie, 1953 wurde die Insel eine dänische Provinz und wandelte sich innerhalb weniger Jahre von einer Jäger- zu einer Industriegesellschaft. 1979 erhielt Grönland ein eigenes Parlament, 2009 wurde die Autonomie erweitert. Dänemark ist seither nur noch für die Außen- und Verteidigungspolitik der Insel zuständig. Grönland gehört anders als Dänemark aber nicht zur EU.
Quelle: http://videnskab.dk/kultur-samfund/gronland-ville-selv-afskaffe-fanger-kulturen
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)