17. Oktober 2012
Die menschliche Wahrnehmung ist fehleranfällig.
US-amerikanische Forscher berichten im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" sogar über systematische Wahrnehmungsverzerrungen - und zwar wenn wir das Geschlecht eines Menschen nur anhand der Körperform bestimmen sollen. Die Wissenschaftler hatten ihren Probanden in einer Coumputergraphik stilisierte Körper gezeigt. Diese hatten unterschiedliche Taillen-Hüft-Verhältnisse. Dieses Verhältnis unterscheidet sich bei Männern und Frauen üblicherweise deutlich: Frauen haben eine schmalere Taille und breitere Hüften.
Die Probanden hielten die ihnen präsentierten Figuren allerdings meistens für einen Mann. Erst dann, wenn die Körperform extrem weiblich aussah - mit einem Taille-Hüft-Verhältnis, das so in der Natur gar nicht vorkommt - wurden die Figuren als weiblich erkannt. Das galt übrigens für männliche wie für weibliche Probanden. Die Forscher erklären sich die Verzerrung so: Die Körperform, die gegebenenfalls von weitem gesehen werden kann, gibt uns einen Hinweis darauf, mit wem wir es zu tun bekommen. Männer würden dabei als bedrohlicher wargenommen, weil sie als körperlich stärker und aggressiver gelten. Im Zweifelsfall entscheide sich das Gehirn also für die vorsichtigere Variante und gehe von einem Mann aus.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)