25. Oktober 2012

Textethiker: Beurteilung von Doktorarbeiten scheitert am Begriff der Paraphrase

Warum ist es so schwer zu entscheiden, ob die Doktorarbeit der Bundesbildungsministerin ein Plagiat ist oder nicht?

Dieser Frage geht der Literaturethiker Philipp Theisohn in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" nach. Er sieht die Antwort in einem Begriff, der in letzter Zeit auch öfter in den Nachrichten auftaucht: der Begriff der Paraphrase.

In der Öffentlichkeit sei Paraphrasieren heute stets negativ belegt - so auch bei den Vorwürfen gegen Annette Schavan. Jemand, der paraphrasiert, sei ein Pseudoforscher, der neue Bücher aus alten schreibe. Ursprünglich handele es sich aber um einen durchaus ehrbaren Begriff: In der römischen Antike sei Paraphrasieren eine anspruchsvolle rhetorische Übung gewesen, nämlich das kunstvolle Umformulieren von Sätzen.

Theisohn zufolge fällt das Beurteilen von Doktorarbeiten in der Textethik so schwer, weil die Wissenschaften kein klares Verhältnis zur Paraphrase haben.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)