21. November 2012
Die Motive der mittelalterlichen Holzschnitte haben ihn nicht interessiert. Der Biologe Blair Hedges hatte nur Augen für die Flecken, die weiß geblieben sind.
In den "Biology Letters" beschreibt er, was ihm diese Flecken verraten. Sie entstanden durch Wurmlöcher in den Holzplatten, die für die Drucke verwendet wurden. Die Tinte füllte diese Flecken nicht auf, so dass sie noch heute zu sehen sind. Anhand der Größe der Löcher konnte der Biologe Rückschlüsse auf die Art der Würmer ziehen. Dafür vermaß er fast 500 Holzschnitte und deren Wurmloch-Flecken. Das Ergebnis: Vom 15. bis zum 19. Jahrhundert zog sich eine Wurm-Grenze durch Europa. Diese Grenze verlief von Frankreich über Südbaden bis Österreich. Nördlich dieser Grenze lebten die Wurmlarven des Gemeinen Nagekäfers, südlich davon die des Südliches Nagekäfers. Heute leben diese beiden Käferarten in ganz Europa nebeneinander.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)