27. November 2012

Wortschatz: Deshalb heißt es "Zinsen"?

Jetzt schauen wir uns noch die Herkunft eines Wortes an und fragen, passend zum Tagesthema: Woher kommt das Wort "Zinsen"?

Früher beruhten Warengeschäfte vor allem auf Tauschhandel. Erst als im 11. Jahrhundert der Orienthandel zunahm, gewann Geld als Tauschmittel an Bedeutung - und mit ihm die Zinsen, die "prozentual berechnete Vergütung für entliehenes Geld".

Dem Wort Zins liegt das lateinische Substantiv "census" zugrunde, was "Schätzung, Steuer" bedeutet und dann zu dem Verb censere "schätzen" wurde. Althochdeutsch bzw. mittelhochdeutsch hieß Zins "Abgabe". Diese ältere Bedeutung begegnet uns noch heute in den Zusammensetzungen Mietzins und Pachtzins.

Das Wort Zins kommt auch in verschiedenen Redewendungen vor. Wenn man heute sagt, jemand drehe den Zinshahn zu, denkt man dabei an einen Wasserhahn, aus dem übertragen gesprochen kein Geld mehr fließt. Ursprünglich war der Zinshahn jedoch ein echter Hahn, den abhängige Bauern ihrem Herrn im 18. Jahrhundert alljährlich überlassen mussten. Die frühere Wendung "rot wie ein Zinshahn" spielt darauf an, dass die Bauern die Hähne in Aufregung versetzten, um sie mit einem möglichst roten Kamm bei ihrem Herrn abzuliefern.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)