12. Dezember 2012

"Telefonsyndrom": Wachkoma-Patient spricht nur, wenn sein Vater anruft

Der US-Amerikaner Jason Murdoch lag nach einem Autounfall monatelang in einem Wachkoma.

Er konnte weder gehen noch sprechen und reagierte noch nicht einmal auf seine engsten Angehörigen. Nur wenn sein Vater ihn von irgendwoher anrief, wurde Jason auf einmal gesprächig. Befand sich der Vater im selben Raum, blieb er stumm.

Über diesen Fall berichtet der Neurowissenschaftler Vilayanur Ramachandran von der Uni Kalifornien in der Zeitschrift "Gehirn und Geist". Er begründet das sogenannte Telefonsyndrom damit, dass das Gehirn des Patienten im Bereich des Kortex, dem ACC, nur teilweise geschädigt worden sei. Vermutlich sei nur die Sehbahn beeinträchtigt, die Hörbahn aber intakt, so dass Jason auf auditive Reize weiterhin reagierte.

Warum tat er es dann aber nicht, wenn der Vater ihn von Angesicht zu Angesicht ansprach? Ramachandran vermutet, dass das menschliche Gehirn der visuellen Verarbeitung Vorrang gibt. Jasons Fähigkeit zum Hören werde beim Anblick des Vaters unterdrückt.

http://www.gehirn-und-geist.de/alias/bewusstsein/bei-anruf-wach/1172689

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)