28. Dezember 2012
"Man kann nicht leben, ohne zu wissen, woher man kommt."
So erklärt der emeritierte Philosophie-Professor Henning Ottmann, warum er mehr als 2.000 Jahre politischer Ideengeschichte in einem neunbändigen Werk aufgearbeitet hat. Ottmann sagte der "Süddeutschen Zeitung", ein guter Politiker müsse vor allem Lebenserfahrung haben. Diese müsse nicht in der Politik, sondern im bürgerlichen Leben erworben worden sein. Es wollten heute aber nur noch wenige, die nicht Berufspolitiker sind, in die Politik - weil dies schlicht nicht mehr als Ehre empfunden werde. Der Münchner Forscher schlägt deshalb vor, neben Bundesrat und Bundestag zusätzlich eine Art Senat mit längeren Amtszeiten zu schaffen. Deren Mitglieder könnten dann anders als die übrigen Politiker über Wahltermine hinaus nachdenken.
Expertenregierungen wie derzeit in Italien sind für Ottmann aber keine Lösung. Das bewährte Grundprinzip liberaler Demokratien sei die Wahl der Machthabenden. Experten wählen zu lassen, sei aber Unsinn. Dazu bräuchte man eine kundige Jury. Das habe aber mit Demokratie nichts mehr zu tun.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)