17. Januar 2013
"Das gängige Bild Lateinamerikas als erzkatholischer Subkontinent wackelt zusehends."
Zu diesem Schluss kommt der Historiker Antonio Sáez-Arance in der Zeitschrift "Matices". Er stellt in Frage, dass die katholische Kirche in Lateinamerika ihren gesellschaftlichen Führungsanspruch noch weiter aufrechterhalten kann. Dafür sieht er vor allem zwei Gründe: Erstens stecke die Kirche wegen zahlreicher Sexaffären um Priester in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise. Zweitens verliere sie mit ihrer konservativen Ausrichtung immer mehr Anhänger: Liberale lehnten die strenge Sexualmoral ab, und Arme orientierten sich inzwischen eher zu evangelikalen Kirchen hin, weil die in Slums und Gefängnisse gingen und die Gläubigen emotional binden könnten. In Guatemala gehört inzwischen schon mehr als die Hälfte der Bevölkerung zu den Evangelikalen, die vor allem von den USA aus missionieren.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)